Mutterschutz aktualisiert: 05.08.2015

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Allgemein [top]

Für Tätigkeiten von werdenden und stillenden Müttern gelten besondere Schutzbestimmungen. Rechtsgrundlage sind das Mutterschutzgesetz, Mutterschutzverordnung für Beamtinnen, Mutterschutzrichtlinienverordnung, Gefahrstoffverordnung, Strahlenschutz- und Röntgenverordnung und Unfallverhütungsvorschriften.

Für werdende oder stillende Mütter, die ständig stehen oder gehen müssen, ist eine Sitzgelegenheit zum kurzen Ausruhen bereitzustellen. Bei ständig sitzender Tätigkeit sollte die Möglichkeit zu kurzen Unterbrechungen gegeben sein. Außerdem sollten Liegeräume bzw. Sanitätsräume mit entsprechender Einrichtung vorhanden sein. Regelmäßiges Tragen und Heben von Lasten über 5 kg oder gelegentliche Belastung mit 10 kg sollte vermieden werden. Nach Ablauf des 5. Schwangerschaftsmonats sind Arbeiten, bei denen sie ständig stehen müssen auf 4 Stunden täglich zu beschränken. Die Exposition von Hitze, Kälte, Nässe und auch von Stäuben ist zu vermeiden. Gleiches gilt für Arbeiten, bei denen sie sich häufig strecken, beugen oder gebückt halten müssen (Mutterschutzgesetz: §§ 2 Abs. 2 u. 3, 4 Abs. 1 u. 2 Nr. 1, 2 u. 3 sowie § 8 Abs. 1 u. 4).

Da die besonders empfindliche Phase für eine Fruchtschädigung zu Beginn der Schwangerschaft liegt, sollte der Vorgesetzte oder Arbeitgeber von einer Schwangerschaft rechtzeitig informiert werden. Ab diesem Zeitpunkt ist dieser verpflichtet, die einschlägigen Schutzbestimmungen zu beachten. Aus gleichem Grund sollte die Schwangere selbst die üblichen Arbeitsschutzregeln besonders gewissenhaft einhalten. Ein Umgang mit sehr unruhigen und aggressiven Patienten ist zu vermeiden. Schwangere sollten deshalb nicht auf geschlossenen psychiatrischen Stationen eingesetzt werden. Außerdem ist Nachtarbeit (20 - 6 Uhr) und Mehrarbeit (mehr als 8,5 Std. / Tag bzw. 90 Std. pro Doppelwoche) verboten.

Tätigkeit und Arbeitsplatz dürfen die Gesundheit der Mutter und des Kindes nicht gefährden. Deshalb sollten die Einwirkung von gesundheitsgefährdenden

vermieden werden.

Ausnahmen sind nur möglich, wenn eine Einwirkung oder eine Schädigung sicher und absolut ausgeschlossen werden kann. Wird eine Ausnahme gewünscht, so ist durch den Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 1 Mutterschutzrichtlinienverordnung (MutSchRiV) durchzuführen. Die Abteilung VII der Zentralverwaltung und der Betriebsärztliche Dienst sind zu beteiligen. Ein offener Umgang mit Blut oder Stuhl ist nicht erlaubt.


Gefährliche Arbeitsstoffe [top]

Für Schwangere und stillende Mütter bestehen Beschäftigungsverbote bei Arbeiten mit chemischen Stoffen oder Verbindungen (Gefahrstoffe gemäß Gefahrstoffverordnung), wenn die Auslöseschwelle überschritten wird. Dies gilt für alle Laboratorien, aber auch für die Einwirkung von Narkosegasen (u. a. Halothan, Lachgas) bei Anaesthesietätigkeiten im Operations- und Kreißsaal. In Aufwachräumen ist eine Tätigkeit nur dann möglich, wenn eine gute Raumlüftung (sechs- bis achtfacher Luftwechsel pro Stunde) und eine sichere Unterschreitung der Auslöseschwelle nachgewiesen ist. Dabei ist die Belegungsdichte zu beachten.

Der Arbeitgeber darf werdende oder stillende Mütter mit sehr giftigen gesundheitsschädlichen oder in sonstiger Weise den Menschen chronisch schädigenden Gefahrstoffen nicht beschäftigen, sobald die Auslöseschwelle überschritten wird. Bei Unterschreitung der Auslöseschwelle der zuvor genannten Gefahrstoffe sowie bei nur reizenden, ätzenden, brandfördernden, explosiven und umweltgefährlichen Gefahrstoffen dürfen werdende und stillende Mütter beschäftigt werden.

Der Umgang mit krebserzeugenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen (u. a. Zytostatika) ist für werdende Mütter verboten. Bei Gefahrstoffen, die Blei oder Quecksilberalkyle enthalten, dürfen gebärfähige Arbeitnehmerinnen nur bei garantierter Unterschreitung der Auslöseschwelle beschäftigt werden.


Infektionsbereiche [top]

Generelles Beschäftigungsverbot nach § 4 des Mutterschutzgesetzes

Hier entscheidet der konsequente Gebrauch der persönlichen Schutzausrüstung (Handschuhe, Mundschutz, Brille) letztendlich über die tatsächliche Exposition und Infektionsgefährdung.

Werdende und stillende Mütter dürfen Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefahr auch unter Verwendung persönlicher Schutzausrüstung nicht ausüben, wenn erstmalig oder ungeübt mit stechenden, schneidenden oder bohrenden Gegenständen umgegangen wird. Dies gilt natürlich besonders für Schülerinnen und Studentinnen.

Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefährdung, die nicht von werdenden und stillenden Müttern ausgeführt werden dürfen: Diese Tätigkeiten können sich u. a. in folgenden Bereichen finden: Tätigkeiten mit mäßigen Infektionsgefährdungen, die unter Verwendung persönlicher Schutzausrüstung von werdenden und stillenden Müttern ausgeübt werden dürfen: Diese Tätigkeiten können sich u. a. in folgenden Bereichen finden:

In der Regel wird der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung durchführen und Maßnahmen zum Schutz der werdenden Mutter festlegen.


Tätigkeiten in Kontroll- und Überwachungsbereichen nach Strahlenschutzverordnung (§36 StrlSchV) und Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen [top]

Die Tätigkeit einer Schwangeren in Kontroll- oder Überwachungsbereichen ist nach der StrlSchV in der Fassung vom 20. Juli 2002 nicht mehr grundsätzlich untersagt. Die Entscheidung darüber, ob Frauen, die schwanger sind oder stillen, der Zutritt zu Kontrollbereichen bzw. der Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen gewährt wird, trifft der zuständige Strahlenschutzbeauftragte. Daher haben Frauen eine Schwangerschaft wegen der Risiken einer Strahlenexposition für das ungeborene Kind so früh wie möglich dem zuständigen Strahlenschutzbeauftragten mitzuteilen. Auch Mütter, die stillen, haben dies dem zuständigen Strahlenschutzbeauftragten mitzuteilen, da im Falle einer Kontamination der Mutter nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Säugling beim Stillen radioaktive Stoffe inkorporieren könnte.

Für das ungeborene Kind, das aufgrund der Beschäftigung der Mutter einer Strahlenexposition ausgesetzt ist, beträgt gemäß StrlSchV der Grenzwert der Dosis aus äußerer und innerer Strahlenexposition vom Zeitpunkt der Mitteilung über die Schwangerschaft bis zu deren Ende 1 mSv (§55). Dieser Wert entspricht dem Grenzwert der effektiven Dosis aus genehmigungspflichtigen Tätigkeiten nach StrlSchV für Einzelpersonen der Bevölkerung im Kalenderjahr.

Eine Inkorporation von radioaktiven Stoffen aus genehmigungspflichtigem Umgang mit radioaktiven Stoffen muss für schwangere Frauen sowie für stillende Frauen ausgeschlossen werden.


Tätigkeiten in Kontrollbereichen nach Röntgenverordnung (§19 RöV) [top]

Die Tätigkeit einer Schwangeren in Kontrollbereichen ist nach In-Kraft-Treten (01. Juli 2002) der Verordnung zur Änderung der Röntgenverordnung und anderer atomrechtlicher Verordnungen vom 18. Juni 2002 (BGBl. I S.1869) nicht mehr grundsätzlich untersagt.

Die Entscheidung darüber, ob Frauen, die schwanger sind, der Zutritt zu Kontrollbereichen gewährt wird, trifft der zuständige Strahlenschutzbeauftragte. Daher haben Frauen eine Schwangerschaft im Hinblick auf die Risken einer Strahlenexposition für das ungeborene Kind so früh wie möglich dem zuständigen Strahlenschutzbeauftragten mitzuteilen.

Für das ungeborene Kind, das auf Grund der Beschäftigung der Mutter einer Strahlenexposition ausgesetzt ist, darf gemäß RöV die Äquivalentdosis vom Zeitpunkt der Mitteilung über die Schwangerschaft bis zu deren Ende den Grenzwert von 1 mSv nicht überschreiten (§ 31a). Als Äquivalentdosis des ungeborenen Kindes gilt die Organdosis der Gebärmutter der schwangeren Frau.

Die Tätigkeit einer Schwangeren in Überwachungsbereichen wird durch die Röntgenverordnung nicht eingeschränkt


Meldepflicht des Arbeitgebers (§5, §19 MuSchG) [top]

Nach §5 MuSchG und §19 MuSchG hat der Arbeitgeber die Aufsichtsbehörde (Gewerbeaufsichtsamt) unverzüglich über die Mitteilung der werdenden Mutter über ihre Schwangerschaft zu benachrichtigen. Das entsprechende Formular steht unter Vordrucke und Merkblätter zum Abruf bereit.


Bei Fragen zum Mutterschutz wenden Sie sich bitte an den Betriebsärztlichen Dienst der Universität Würzburg

Beratung zum Strahlenschutz und zur Röntgenverordnung erteilt die Strahlenschutzstelle der Universität Würzburg
Marcusstraße 9 -11, 97070 Würzburg,
Tel. 31-2080, -2081
e-mail: strahlenschutzstelle@zv.uni-wuerzburg.de
Internet: Strahlenschutzseite der Universität Würzburg

Dr. med. A. Schöpfel Dr. med. C. Strate
Betriebsarzt Betriebsarzt

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